Donnerstag, 30. August 2012

Offener Brief an Max Herre und Megaloh: „Rap ist“ alles – auch schwul!

Sehr geehrter Herr Herre und Herr Megaloh,

2live4music erfreut sich an der tollen Musik auf ihrem neuen Album „Hallo Welt!“ und wir geben unser Bestes die Werbetrommel für das neue Projekt zu rühren. Ein fantastischer Top10-Einstieg für die Single „Wolke 7“ und eine (hoffentlich) baldige Chartspitze für das Album sprechen für sich und machen Sie zu einem der einflussreichsten und erfolgreichsten Künstler des Landes im Jahre 2012. Die Reise in die 90iger Jahre ist Ihnen (musikalisch) total gelungen. Hip Hop hört sich endlich wieder so an, wie zu den glohrreichen Zeiten. 2live4music geht sogar noch weiter und sagt Hip Hop macht wieder Spaß seitdem es Max Herre und die jungen Wilden (Casper, Cro und Co.) im Radio zu hören gibt. Doch bei der Review zu ihrem neuen Album „Hallo Welt!“ war der positive Einblick auf einmal verschwommen und fühlte sich nicht mehr korrekt an. [...]
Der Titel „Rap ist“, den Sie mit dem Rapper Megaloh aufgenommen haben, bereitet 2live4music besondere Bauchschmerzen und lässt an der Vorbildfunktion zweifeln, die wir Ihnen immer zugesprochen hatten. Im Jahre 2012 ist es keine Krankheit mehr schwul zu sein, es ist nicht unter Strafe gestellt als Mann einen Mann zu küssen und es ist nicht unnormal einen gleichgeschlechtlichen Partner zu haben. In einem Jahr, in dem ihre Hip Hop-Kollegen, sei es Cro, der auf seiner Facebook-Fanpage gegen Homophobie aufruft oder der talentierte Frank Ocean, der sich im Anblick der homophoben amerikanischen Hip Hop-Szene mit einem herzzerreißenden Brief über seine erste große Liebe outet schwul zu sein, mit einer Vorreiter- und Vorbild-Rolle voranpreschen, da missfällt der Text des Songs „Rap Ist“ umso mehr. 
Für alle, die diesen Song nicht gehört haben, „Rap Ist“ handelt davon, was Rap für Max Herre und Megaloh ist und warum sie ihn so lieben. Unten den Erklärungen der Hip Hop-Szene, darf der Zuhörer sich dann anhören, wie Megaloh die Textzeile „ich King, du schwul“ rappt. Das Zeichen, dass Sie, Herr Herre, mit "Hallo Welt!" in die Welt schicken wollten, soll also von einer diskriminierenden Aussage wie dieser getrübt sein? Im Sinne des Freestyle-Battles, in dem sich zwei Rapper mit Reimen duellieren, heißt es Megaloh ist der Größte und der Rest, die Verlierer, sind schwul. Eine Assoziation die herablassend, diskriminierend und unverantwortlich ist. Schwul wird hier als Synonym für den im Volksmund üblichen Begriff "Scheiße" gebraucht. Für den allgemeinen Hörer mag es keine Textzeile sein, die besonders besonderes Aufsehen erweckt, aber unterbewusst eine Botschaft vermittelt und für den Fan, der zu Ihnen Herr Herre als Vater, Ehemann, Musiker und Vorbild für die Jugend hinaufschaut, mag das wirklich eine unpassende und geschmacklose Aussage sein, die sie mit dem Rapper Megaloh und dem Song „Rap Ist“ auf ihrem Album vertreten. Und diese Aussage wird getroffen obwohl es in Songs wie „So Wundervoll“ feat. Aloe Blacc heißt, dass jeder, egal wer es ist, einfach wundervoll ist. Eine Hymne für die Unterdrückten und die Randgruppen, die jedoch mit der angesprochenen Textzeile, die an einen umstrittenen Integrations-Bambi-Gewinner erinnert, wieder relativiert wird.
2live4music stellt Max Herre und Megaloh zur Rede und möchte wissen, weshalb die Textzeile „Ich bin King, du bist schwul“ eine Beschreibung für die Rap-Kultur und die Hip Hop-Szene darstellt? Wie kann ein Vater einen solchen Song auf seinem Album veröffentlichen, wenn er sich im Klaren sein muss, dass diese Zeilen irgendwann die eigenen Kinder diskriminieren könnten? Bitte finden Sie die richtigen Worte das zu erklären, Herr Herre, denn 2live4music möchte ungern an ihrer Intelligenz zweifeln. Ein intelligenter Mensch vermag wohl kaum gegen die Diskriminierung von anderen Ethnien, Religionen oder sozialen Schichten sein, aber dann eine Gruppe, dessen Verbrechen ihre Liebe zum gleichen Geschlecht ist, auszugrenzen und zu denunzieren. Ist es notwenig eine Diskriminierung und Ausgrenzung aus den 90ern oder früheren Jahrzehnten mit dem Hip Hop-Gefühl zurückzuholen, obwohl man eigentlich nur dieses musikalische Ära feiern wollte? Die Musik sollte uns doch nicht in eine vergangene Zeit zurückbeamen, in der noch andere und unfaire gesellschaftliche und soziale Normen geherrscht haben. Mit großem Respekt und einer Hochachtung ihres musikalischen Genies schreiben wir diesen Brief, aber der Schritt, den Sie gegangen sind, als sie sich entschieden haben den Rap von Megaloh auf ihrem Album zu veröffentlichen, war ein Fehler. Und 2live4music fordert, dass diese Zeile dementiert wird, dass eine klare Aussage vor der Öffentlichkeit getroffen wird und in Live-Konzerten der Text von „Rap Ist“ verändert wird. Unsere Botschaft ist eindeutig: Rap ist alles - auch schwul. Danke fürs Lesen.

Euer 2live4music-Team

Kommentare:

  1. Ich verstehe die Aufregung nicht. Die Textzeile geht bestimmt nicht gegen homosexuelle Menschen sondern greift offensichtlich zwei Begriffe auf, die im Rapfachjargon hierzulande großen Symbolcharakter haben und hatten. In der Zeile davor sagt Megaloh: "rap ist old school, new school, true school", so war es, so ist es und so ist die realität. Seine folgende Aussage bedeutet in etwa: jeder muss Respekt geben um Respekt zu bekommen aber ich bin der Beste und du bist uncool, im Straßenjargon bzw Rapbattle-Vokabular ausgedrückt. Dies ist einfach die allgemeine Einstellung eines aufstrebenden Rapkünstlers, man will der Beste sein und sich einen Namen machen um unter dem ganzen Rest hervorzustechen. Als Rapper spiegelt man auch und nicht zuletzt trotz Vorbildfunktion unter anderem den Zeitgeist gesprochener Jugendsprache wieder. Das ist alles was an Affront in diesem Liedtext passiert auch wenn man sich hier künstlich echauffieren möchte. Vielen Dank an Max Herre für ein großartiges Rapalbum und eine fetzige Nummer mit Megaloh! Für mich sind Sie weiterhin ein Vorbild und haben für den deutschen HipHop wieder einmal Großes geleistet!

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  2. ganz ehrlich konstuktive kritik hin oder her...die 2live fuzzies wissen ganz genau dass sie maasslos uebertreiben..so gesehen ist die aussage ..du schwul...ja nicht mal eine beleidigung

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  3. Uff, das alles nur wegen dieser einen Zeile?

    Bushido hat das mal bei Lanz treffend ausgeführt, als ihn so ein von-der-Leyen-Verschnitt ihn zum Schwulenfeind #1 machen wollte. Habe zwar den genauen Wortlaut nicht im Kopf, aber in etwa kommt das so hin:

    Er hat ihr erklärt, "dass man das halt so sagt" im Rap-Game, auch wenn das nicht so gemeint ist. Sie verstand es nicht so recht. Er fragte daraufhin, ob sie es gut fände, wenn er sie "cool" nennen würde. Darauf meinte sie "natürlich, warum nicht?". Er erwiderte "naja, sie sind ja nicht kühl. Was genau fänden Sie daran gut?", worauf sie mit "na das ist nicht wörtlich zu nehmen, das sagt man halt so" antwortete.

    Wie gesagt, ich garantiere nicht für den genauen Wortlaut, aber den Kern trifft es doch. Wenn im Rap von "schwul", oder "Schwuchteln" die Rede ist, ist das noch lange nicht ernst zu nehmen. Und das GERADE in Zeiten, in denen sich die Vorbilder aus den Staaten outen. Man darf nicht jede Silbe auf die Goldwaage legen ;)

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  4. "das alles" ist meine Meinung und ich bleibe da auch bei, die Textzeile ist unnötig un dmehr als kontraproduktiv. Wieso muss er denn diesen Begrieff verwenden, wenn man sie eh nicht ernst nehmen soll??? Das macht für mich keinen Sinn!

    Es ist spätestens dann ernst, wenn der 10 Jährige auf der Straße nachplabert, was er im Song hört. Wenn du denkst, dass es ok ist, wenn "Schwul" oder "Schwuchtel" in Rap-Songs verwendet wird, dann finde ich das sehr traurig und ist wohl eher ein ignorantes Denken einer Majorität.
    Max Herre ist einer der Größten für mich, aber ich darf ganz klar sagen, dass ich die Aussage politisch unkorrekt finde und die Botschaft für den geneigten Hörer missverständlich.

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  5. ..."schwul" wird in der textzeile von dem typen im negativen zusammenhang gebraucht und das ist einfach nur zum kotzen!!!

    wenn man nicht selbst homosexuell is und nicht weiss, wie sich das anfühlt, soll man das auch nicht be/verurteilen!

    "cool sein" wird immer positiv assoziiert auch wenn es eig kühl/distanziert sein bedeutet und somit eher eine negative beurteilung ist.

    wenn einem rapper im jahre 2012 nichts intelligenteres als "du bist schwul" in den sinn kommt, sollte er einfach seine schnautze halten! und all diejenigen, die das in irgend einer form entschuldigen wollen, gleich mit!!!
    gruss, dani!

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  6. Danke für deinen Beitrag, das ist auch meine Meinung, aber lass uns bitte nicht genauso beleidigen oder anderen den Mund verbieten!^^

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  7. Wird in diesem Kontext nicht mal als Aussage Megalohs klar! Der Text spiegelt einfach die plattitüden die "Rap sind" wieder. So gesehen sagt Megaloh nicht "ich King du schwul" im Sinne von "ich megaloh bin der King du bist schwul" sondern ein Teil von Rap ist genau dieses Gerede. Wenn man es ganz weit auslegen möchte könnte man es sogar als an der Szene Kritik nehmen. Genauso wird nämlich alles aufgezählt. Nicht einmal bricht einer der Beiden Rapper aus diesem Schema aus - alles ist allgemein gehalten.

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  8. Liebes 2live4music Team...
    bitte geht doch mal auf einen deutschen Schulhof und hört den Kindern 5min zu.

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  9. Schwach nach dem "Rumgeweine" auch nicht mehr auf konstruktive Kritik einzugehen.

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  10. Wenn der Autor hier nicht differenzieren kann zwischen Straßenslang und Homosexualität und dann wegen einer einzigen Textzeile rumheult ,hat er einfach keine Ahnung von Hip Hop. Mit konstruktiver Kritik hat das wenig zu tun.

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  11. puh, wenn man den schulhof als maßstab nimmt, dann ist man dem wohl geistig nicht entwachsen. Diese "da is es aber auch so fies und gemein" argumentation ist genauso arm wie "ey das is halt slang". Erwachsene sollten einfach respektvoll miteinander umgehen und ich kann das schon auch als absolute hete so unterschreiben: 2012 sollte man sich doch mal eine neue analogie für scheisse überlegt haben und nicht nebenbei alte stereotypen reproduzieren.

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  12. Jetzt mal ernsthaft, wer auch immer sich näher mit Max Herre und seinen Texten befasst, wird zweifelsfrei sehr schnell merken, dass seine politische Meinung alles andere als diskriminierend ist, und auch die von Megaloh nicht. Deshalb sehe ich in dieser Aufregung absolut keinen Sinn außer selber mediales Aufsehen erregen zu wollen. Herr Herre sendet damit keine Botschaften an unser Unterbewusstsein und wenn doch, dann überwiegt trotzdem noch seine tolerante Einstellung und der Esperanto Gedanke der aus seinen zahlreichen Texten hervorgeht.

    Als kleiner Tipp, schreiben sie doch das nächste mal über Texte wie "Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte", "Esperanto", "Einstürzen, Neubaun" und als besonderes Schmankerl "Exklusivinterview". ;)

    P.S.
    Sie haben falsch zitiert, Megaloh rappt tatsächlich nur "Ich King, du schwul" Die Verben stammen aus ihrer Feder.
    Deswegen leg ich ihnen das Lied "Exklusivinterview" noch mal ganz besonders ans Herz.

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  13. Und jetzt hört euch als Aufgeklärter mal Megaloh's Album 'Endlich unendlich' an und werft ihm danach nochmal Homophobie vor ;D

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  14. Danke für eure vielen Anregungen und euer Interesse an diesem Artikel! Der Fall zeigt, dass noch viel Sensibilisierungsarbeit nötig ist. Das Ziel: "Schwul" sollte genauso wenig als abwertender Begriff benutzt werden wie Worte, die beispielsweise ethnische Minderheiten beschreiben.

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